Zusammenfassung der Podiumsdiskussion vom 18.02.2014

Aktuelles Radverkehr Veranstaltungen

Aus Zuschauersicht von links: Michael Hofer (OeDP OB-Kandidat), Thomas Hartmann (Buendnis 90 / Die Gruenen OB-Kandidat), Erwin Hagenmaier (CSU Fraktionsvorsitzender), Michael Laeufle (Moderator), Sibylle Knott (3. Buergermeisterin, Freie Waehler), Martin Bernhard (SPD OB-Kandidat) und Dr. Dominik Spitzer (FDP Kreisvorsitzender)
Am 18. Februar veranstalteten wir eine Podiumsdiskussion zum Thema „Fahrradfreundliches Kempten?“. Daran nahmen (aus Zuschauersicht von links) Michael Hofer (ÖDP OB-Kandidat), Thomas Hartmann (Bündnis 90 / Die Grünen OB-Kandidat), Erwin Hagenmaier (CSU Fraktionsvorsitzender), Michael Läufle (Moderator), Sibylle Knott (3. Bürgermeisterin, Freie Wähler), Martin Bernhard (SPD OB-Kandidat) und Dr. Dominik Spitzer (FDP Kreisvorsitzender) teil.

Hier ist unsere Zusammenfassung der Diskussion.

VideoWir filmten auch die gesamte Podiumsdiskussion. Leider widersprachen zwei Kandidaten einer Veröffentlichung des Videos im Internet. Wer Interesse hat, kann das Video jedoch auf CD-ROM oder USB-Stick von uns bekommen. Dazu bitte eine kurze Mail an info(..at..)adfc-kempten.de.

Zusammenfassung der Diskussion

PraesentationDie Podiumsdiskussion wurde durch eine Präsentation begleitet. Hier sind die <media 17539 - - "TEXT, Präsentation Podiumsdiskussion OB-Wahl KE 2014, Podiumsdiskussion_OB-Kandidaten_2014_Kempten_fahrradfreundlich_Folien_gezeigt.pdf, 3.2 MB">Folien der Präsentation</media>.

Hier ein Auszug aus den Antworten der Kandidaten:

ADFC: Welche Problempunkte in Kempten kennen Sie, an denen der Radverkehr mit anderen Verkehrsteilnehmern in Konflikte gerät und welchen würden Sie nach Ihrer Wahl als Erstes angehen?
Spitzer: Entschärfung von Gefahrenstellen an den Kreuzungen; insbesondere die Kreuzung Memminger Straße/Adenauerring.
Bernhard: Verbesserung des Linksabbiegens für Radfahrer durch Markierungen auf der Fahrbahn wie z. B. in Erlangen.
Knott: Beseitigung von Bordsteinradwegen und Schaffung eines vernünftigen Radweges zwischen der ZUM und der Hochschule / dem Bahnhof.
Hagenmaier: Es herrschen zu viele wechselnde Situationen auf den Radwegen. Es fehlt ein durchgängiges Konzept.
Hartmann: Als Erstes muss im Rahmen des integrierten Verkehrsentwicklungsplanes ein Gesamtkonzept geschaffen werden. Dabei muss dem Radverkehr eine höhere Priorität eingeräumt werden.
Hofer: Winterdienst und Straßenreinigung auch auf den Radwegen. Bordsteinauf- und -abfahrten abflachen.
ADFC: Wie wird das Radfahren in Kempten erleichtert?
Was erschwert das Radfahren in Kempten
und was würden Sie nach Ihrer Wahl dagegen tun?
Knott: Radwegenetz verbessern; insbesondere zu den Schulen. Sichere und überdachte Abstellmöglichkeiten auch für hochwertige Fahrräder.
Bernhard: Lücken im Radwegenetz schließen, und zwar in einem Gesamtkonzept; kein Flickwerk. Gute Radwegmarkierungen auf den Kreuzungen und gute Radwegweisung schaffen.
Spitzer: Wir brauchen kein Radverkehrskonzept, sondern eine zeitnahe Beseitigung der Gefahrenpunkte.
Hagenmaier: Bereits beschlossene Maßnahmen umsetzen: Planung eines Fahrradparkhauses und Ausbau der Bahnhofstraße zwischen Forum und Hochschule, der Immenstädter Straße sowie der Königsstraße. Einrichtung von Elektrotankstellen für Pedelecs.
Hartmann: Bekannte Gefahrenpunkte (verkehrsreiche Knotenpunkte) umgestalten und dabei den motorisierten Verkehr und den Radverkehr entkoppeln. Die Belange der Radfahrer so kennzeichnen, dass sie von Autofahrern beachtet werden.
Hofer: Sogenannte „aufgeblasene Kreuzungen“ mit Aufstellflächen für Radfahrer vor den Autofahrern wie z. B. in Sonthofen oder Memmingen erleichtern den Radfahrern das Linksabbiegen. Alle Bordsteinübergänge ganz eben machen. Radmitnahme in Bussen.
ADFC: Die Zukunft der König-Ludwig-Brücke ist ungewiss. Welche geeigneten Alternativen sehen Sie für Radfahrer?
Hagenmaier: Kein Abriss der König-Ludwig-Brücke. Bis zur Sanierung die anderen bestehenden Brücken benutzen.
Hartmann: Diese Iller-Querung für Fußgänger und Radfahrer ist nicht ersetzbar. Die Sanierung muss möglichst rasch erfolgen. Wir können nicht 2 oder 3 Jahre alle Fußgänger und Radfahrer über die obere Iller-Brücke schicken.
Hofer: Diese Brücke gehört unbedingt erhalten. Bei der Sanierung sollte auch der Belag fahrrad- und kinderwagenfreundlicher gemacht werden.
Knott: Es gibt keine guten Alternativen. Eine schnelle Sanierung wäre zwar wünschenswert, könnte aber an der Finanzierung scheitern.
Bernhard: Wir brauchen keine Alternativen, da wir hinter der Sanierung der Brücke stehen. Aber: Kosten im Auge behalten; nicht um jeden Preis sanieren.
Spitzer: Dass die Brücke saniert werden soll, steht außer Frage. Da die Sanierung voraussichtlich Jahre dauern wird, brauchen wir zwischenzeitlich eine ausreichende Alternative. Die derzeitige Lösung die Radfahrer auf den Gehweg [der Kfz.-Brücke] zu schicken, ist keine akzeptable Alternative. Man könnte z. B. die Ampelschaltung so verändern, dass die Radfahrer die Brücke gefahrlos auf der Fahrbahn überqueren können.
ADFC: Beseitigen benutzungspflichtiger Bordsteinradwege!
Auf den klassischen Kemptener „Bordsteinradwegen“ ist die Fahrt unkomfortabel, Hindernisse und Engstellen stellen Gefahren dar. Besonders gefährlich sind Grundstücksausfahrten und Einmündungen.
Wann wird die Benutzungspflicht für unkomfortable und gefährliche Bordsteinradwege aufgehoben?
Hofer: Es gibt auch Argumente für das Radeln auf dem Gehsteig, z. B. kleine Kinder sind noch ein bisschen geschützt, wenn sie ins Trudeln kommen. So etwas zu ändern dauert wegen des dazu erforderlichen Umbaus von Straße und Gehweg länger. Das ist zwar wünschenswert, wird aber viel Geld und Zeit kosten. Als erste Verbesserung könnte man, wie schon erwähnt, die Auf- und Abfahrten ebnen.
Hartmann: Wir können nicht von jetzt auf gleich alle Bordsteinradwege beseitigen und die Straßenflanken umbauen. Das muss man mit allgemein erforderlichen Sanierungsmaßnahmen an der Straßenoberfläche verbinden. Ziel muss es sein, dass wir an all den Stellen, die wir diesbezüglich als fehlerhaft erkannt haben, die Umbaumaßnahmen so bald wie möglich betreiben. Das heißt, sobald Maßnahmen an dieser Straße erforderlich sind, oder sobald eine Gefahrenstelle als solche nicht mehr akzeptabel ist.
Hagenmaier: Radwege sollten auf den Gehwegen statt auf der Straße verlaufen, um die Geschwindigkeit bei den Radfahrern herauszunehmen. In absehbarer Zeit wird es keine Haushaltsmittel geben, um die Situation in der Füssener Straße zu ändern.
Knott: „Wann wird die Benutzungspflicht abgeschafft ?“ ist für mich keine Frage nach einem Datum, sondern eine frage nach Alternativen. Das heiß, wenn ich nichts besseres Anbieten kann für Radfahrer, dann werden wir noch so lange damit leben müssen. Die Benutzungspflicht einfach aufzuheben, ohne eine Alternative zu haben, bringt nichts.
Bernhard: Bei solchen Entscheidungen braucht man professionelle Hilfe. Es steht uns nicht zu, das zu beurteilen. Im Rahmen des Gesamtradverkehrskonzeptes muss eine fachlich kompetente Person darüber nachdenken. Ich glaube nicht, dass wir die fachliche Kompetenz haben, um das so zu beurteilen.
Spitzer: Bordsteinradwege sind sicherlich unkomfortabel. Ob ein Radweg unkomfortabel ist, damit kann ich persönlich leben. In näherer Zukunft wird für die Füssener Straße kein Geld fließen können. Zur Entschärfung der Gefahrenpunkte müssen deshalb andere Alternativen gefunden werden, wie z. B. Spiegel.
ADFC: Wird es mehr Geld für den Radverkehr geben?
Und woher?
Bernhard: Es muss mehr Geld für den Radverkehr geben, weil in den letzten Jahren in diesem Bereich zu wenig passiert ist. Wir brauchen auch einen kompetenten Radverkehrsbeauftragten. Dazu muss Kempten mehr verdienen, mehr Gewerbe anlocken, mehr Gewerbesteuer und Einkommensteuer generieren.
Spitzer: Kempten will 2020 schuldenfrei sein. Es kann nicht mehr Geld für den Radverkehr geben, da in keinem anderen Bereich eingespart werden kann.
Knott: Der politische Will hat sich mittlerweile etwas zugunsten des Radverkehrs gewandelt. Man sieht das Rad als wichtigeres Verkehrsmittel an, als es noch vor einigen Jahren der Fall war. Das hat dann zur Konsequenz, dass, wenn wir uns mit dem Gesamtverkehrsplan beschäftigen, das Rad natürlich entsprechend berücksichtigt werden muss. Und das wiederum hat zur Konsequenz, dass wir dann in dem Investitionsprogramm der Stadt Kempten auch die entsprechenden Investitionen, die dafür nötig werden, einstellen müssen.
Hartmann: Wesentlich mehr Geld für den Radverkehr wäre ein unseriöses Versprechen. Wir brauchen auch keinen Radverkehrsbeauftragten, sondern einen OB, der sich Radverkehr auskennt und der sich für dieses Thema wirklich einsetzt.
Hofer: Ein klares „Ja“. Mit mir wird es mehr Geld für den Radverkehr geben. Wir können uns z. B. die Umkleide am Seggersbogen für 1,2 Millionen € sparen.
Hagenmaier: Der Radverkehrsbeauftragte von Erlagen hat ein Budget von 100.000 € im Jahr. Der Radweglückenschluss Neuhausen-Burg hat Kempten knapp eine halbe Million € gekostet. Deshalb glaube ich, dass wir mit den Ausgaben im Radwegeplan gar nicht so schlecht liegen. Bei der Sanierung maroder Straßenbeläge wird jeweils in den betroffenen Straßen überlegt, wie man dort was Neues gestalten kann. Und da wird man dann die Kosten für das Radwegenetz auch nicht einzeln herausrechnen.
ADFC: Welche Konzepte haben Sie, den Verbund von Radverkehr und ÖPNV zu verbessern?
Hofer: Der Bus könnte Fahrräder mitnehmen. Der Bus sollte öfters fahren, vor allem am Samstag. Fahrradboxen am Bahnhof. Diese Fahrradboxen müssen auch mit E-Anschluss sein, um Pedelec-Batterien aufladen zu können.
Hartmann: Einrichtung der Allgäu-Bahn von Oberstdorf bis Kempten und dort nicht nur bis zum Hauptbahnhof, sondern bis zur ZUM.
Hagenmaier: An die Mitnahme von Fahrrädern in den Bussen des Stadtverkehrs kann ich nicht so recht glauben. Das macht innerhalb von Kempten auch wenig Sinn. Aber am Bahnhof sollten entsprechende Aufbewahrungsorte für Fahrräder installiert werden.
Knott: Radmitnahme im Bus halte ich für schwierig und ich weiß auch nicht, ob das so viel bringt in Kempten. Wichtiger fände ich Fahrradleihstationen in der Stadt, insbesondere an der ZUM und am Bahnhof. für den Tourismus sollten Rundtouren in Kempten angeboten werden, die vom Bahnhof starten, auch mit der Möglichkeit von Leihfahrrädern. „Kempten mit dem Rad erkunden“ durch Marketing bewerben.
Bernhard: Sichere Fahrradabstellmöglichkeiten am Bahnhof und auch hier wieder an die E-Bikes denken. Fahrradmitnahme im Bus lässt sich schlecht mit einer guten Bustaktung vereinbaren.
Spitzer: Eine Radler-Winter-Karte für den ÖPNV.

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