Ist Kempten mit Köln vergleichbar?

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Erstaunliche Parallelen zwischen Kempten und der Millionenstadt – aber auch Rückstände

Radweg

Radweg © ADFC

Kempten 6. Juni 2021: In der Ausgabe 2.21 des ADFC-Magazins Radwelt findet sich der Artikel „Radverkehr in Köln – Jahrzehntelang nix passiert“. Obwohl Köln mit 1,1 Millionen Einwohnern ca. 15-mal größer als Kempten ist, sind die Probleme doch irgendwie die gleichen.

Der Artikel beginnt mit

»Die Menschen in Köln sind mit den Fortschritten ihrer Stadt nicht zufrieden. Mit der Note 4,37 hat sich Köln im Vergleich zu 2018 im ADFC-Fahrradklima-Test nicht verbessert, obwohl die Bedeutung des Radverkehrs deutlich gewachsen ist … Köln wurde einst als autogerechte Stadt gebaut; der Radverkehr spielte keine Rolle«.

In diesen Sätzen lässt sich „Köln“ einfach gegen „Kempten“ austauschen.

Auch die folgenden beiden Absätze am Ende des Artikels passen recht gut auf Kempten:

»Geduld und Akzeptanz gefordert. Auch dass es nur die Note 4,1 dafür gab, wie viel in jüngster Zeit für den Radverkehr getan wurde, kann der Radverkehrsbeauftragte [der Stadt Köln] Möllers nicht verstehen. Aus seiner Sicht ist sehr viel passiert, aber: „Was wir machen, lässt sich nicht mal eben schnell erledigen: Wir betreiben Stadtumbau.“ Und er fordert: „Entscheidungsträger müssen es aushalten, dass nicht alle die Veränderungen gut finden …“«

»Eine Frage der Perspektive. Es gibt unterschiedliche Perspektiven auf die Lage der Radverkehrsinfrastruktur: Jürgen Möllers und sein Team arbeiten tagtäglich an Lösungen und sehen, was fertig wird – auch wenn es nur Stück für Stück vorangeht. Die Perspektive der Radfahrenden ist eine andere. Kaum jemand ist im gesamten Stadtgebiet unterwegs, sondern meist auf bestimmten Routen. Und dort stoßen Radfahrende auf die verflixte Baumwurzel, die den Radweg vor Jahren angehoben hat oder finden an immer der gleichen Stelle keinen Radweg vor. „Auch, dass die Stadt im vergangenen Sommer nicht auf die Corona-Pandemie reagiert [und keine Pop-up-Radwege errichtet] hat, schlägt sich im Fahrradklima-Test nieder“, sagt Christoph Schmidt [Vorsitzender des ADFC in Köln].«

Bei den Ringen ist Köln Kempten aber weit voraus:

»Ringfrei. Die Ringe waren als vierspurige Straßen ursprünglich dem Kfz-Verkehr vorbehalten; der Radverkehr wurde auf viel zu schmalen Radwegen im Seitenraum geführt. Die Initiative „Ringfrei“, der ADFC und weitere engagierte Menschen setzten sich dafür ein, den Radverkehr auf die Fahrbahn zu verlagern und Menschen zu Fuß mehr Platz auf dem Hochbord zu geben. Es ist vor allem dem Durchhaltevermögen der engagierten Menschen zu verdanken, dass die Maßnahmen letztendlich von der Politik beschlossen wurden: Auf den Ringen gilt nun Tempo 30 und die Radwegebenutzungspflicht wurde aufgehoben. Der Umbau der letzten Abschnitte wird 2021 fortgesetzt. Neben der Radspur auf der Fahrbahn gibt es auf einigen Abschnitten Radfahr- und Schutzstreifen. Die vom ADFC geforderte bauliche Trennung von Kfz- und Radverkehr, also geschützte Radfahrstreifen, ließ sich nicht durchsetzen, aber: „Das Bewusstsein für den Radverkehr hat durch dieses Projekt enorm zugenommen“, sagt Christoph Schmidt, Vorsitzender des ADFC in Köln.«

Wow, vierspurige Straßen mit Tempo 30! Erstaunlich, was möglich ist, wenn der Wille da ist. Dabei gäbe es auch für den Kemptener Ring genug Gründe, zumindest in bestimmten Abschnitten das Tempo zu reduzieren und Platz für Radfahrende zu schaffen. Zum Beispiel am Carl-von-Linde-Gymnasium oder an der Maria-Ward-Schule, um die Schülerinnen und Schüler zu schützen und ihnen sichere Schulwege zu bieten. Auch das Seniorenheim „Pro Seniore“ und weitere Anwohner würden profitieren: bessere Luft, weniger Lärm, höhere Lebensqualität. Welche Stadträtin oder welcher Stadtrat hat den Mut, solche Entscheidungen für Kempten zu treffen?

© ADFC Kempten / Oberallgäu 2021


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